Claudia: Ich bin heute selbstbewusster als vor 20 Jahren

Claudia: Ich bin heute selbstbewusster als vor 20 Jahren

Claudia, 41, kaufmännische Angestellte, ein Junge, knapp 4 Jahre.

Wie alt warst du, als du zum ersten Mal gedacht hast: „Ein Kind zu haben wäre schön.“

Den Wunsch nach einem Kind habe ich zum ersten Mal mit 24 verspürt – das weiß ich deswegen noch so genau, weil ich damals eine Zeit lang alle schwangeren Frauen und jungen Mütter beneidet habe und zum ersten Mal wirklich das Gefühl hatte, ein Kind haben zu wollen. Zu dem Zeitpunkt war meine damalige Beziehung allerdings noch ganz frisch, weswegen es auch nicht gepasst hätte, und nach ein paar Monaten verging der Drang auch wieder (ich habe ihn nicht die folgenden zehn Jahre unerfüllt mit mir herum getragen😉).

Aus welchen Gründen hat sich bei dir die Mutterschaft mit Ende 30 /Anfang 40 ergeben? War es eine bewusste Entscheidung?

Bei mir handelte es sich nicht um eine aktive und bewusste „Entscheidung“, erst relativ spät ein Kind zu bekommen – es hat sich so ergeben. Nach langer Ausbildungsdauer (Studium und anschließende kaufm. Ausbildung) und der Trennung von meiner langjährigen Beziehung, habe ich erst einmal eine Weile alleine gelebt, bevor ich mit Mitte 30(!) meinen jetzigen Mann kennen gelernt habe. Und auch wir haben nicht strategisch beschlossen, zu dem und dem Zeitpunkt ein Kind bekommen zu wollen, obwohl uns klar war, dass wir zusammen Eltern werden wollen. Irgendwann war ich unverhofft schwanger; diese Schwangerschaft endete allerdings mit einer Fehlgeburt. Danach wollten wir bewusst ein Kind. Eine weitere Schwangerschaft verlief jedoch wieder nicht erfolgreich, und erst im dritten Anlauf hat es endlich geklappt – da war ich bei der Geburt dann auch schon 37.

Wie hat dein Umfeld auf die Schwangerschaft / Mutterschaft mit Ende 30 /Anfang 40 reagiert?

Es gab keine komischen Reaktionen. Die Familie und engen Freunde kannten ja auch die Vorgeschichte und sowohl im Alltag als auch im Berufsleben wurde meines Wissens nicht getuschelt, da „späte Schwangerschaften“ heutzutage ja keine Ausnahmeerscheinung mehr darstellen.

Fühlst du dich altersmäßig als Außenseiterin oder in bester Gesellschaft?

Eher in bester Gesellschaft – ich persönlich habe in meinem privaten Umfeld so gut wie niemanden, der in den Zwanzigern schon Kinder bekommen hat.

Hast du das Gefühl, dass du die Erziehung deines Kindes und deinen beruflichen Alltag anders angehst, als beispielsweise eine 20- oder 30-jährige Frau? Wenn ja, warum?

/

Was spricht aus deiner Sicht für eine Mutterschaft mit Ende 30 / Anfang 40?

Ich kenne mich selbst und auch das, was mir wichtig ist, besser als noch vor zwanzig Jahren – ich bin „selbst-bewusster“. Viele meiner Ansichten haben sich im Laufe der Zeit und sicherlich auch durch die Mutterschaft verändert, und ich gehe manche Dinge entspannter an, als ich das früher getan hätte. Andererseits geht mit dem Muttersein natürlich auch ein gewisses Maß an Ernsthaftigkeit einher, und ich trete eher für meine Überzeugungen, gerade auch im Hinblick auf mein Kind, ein. Auch meine Grenzen kann ich m.E. besser einschätzen und abstecken.

Was sind aus deiner Sicht die Nachteile einer Mutterschaft mit Ende 30 / Anfang 40?

Ich fühle mich eigentlich noch relativ jung. Dennoch habe ich mittlerweile öfter mal Schmerzen im/am Körper, die ich früher noch nicht gehabt hätte, und auch schlechte (Schlaf-) Nächte stecke ich schlechter weg. Da sind die Nerven dann manchmal nicht mehr ganz so stark. Außerdem bin ich bei manchen waghalsigen Aktionen meines Sohnes vielleicht ängstlicher/vorsichtiger, als ich es in den 20ern gewesen wäre – da war die eigene Kindheit ja auch noch nicht ganz so lange her.

Hattest du eine entspannte Schwangerschaft? Hat dich der Begriff „Risikoschwangerschaft“ beunruhigt?

Nachdem ich bei meiner dritten Schwangerschaft die erste kritische Phase schon einmal überstanden hatte, war ich deutlich entspannter und habe mir keine ernsthaften Sorgen mehr gemacht. Mir ging es während der Schwangerschaft die meiste Zeit gut, die Untersuchungen waren in Ordnung, ich wurde von meiner Frauenärztin gut betreut und hatte keine gesteigerten Ängste wegen meines Alters. Der letzte Monat wurde dann etwas beschwerlich, aber nicht übermäßig – ich kann mich in dieser Hinsicht wirklich nicht beschweren.

Machst du dir Gedanken über die Zukunft, was das Altersverhältnis zwischen dir und deinem Kind / deinen Kindern betrifft?

Ja, natürlich mache ich das. Aber für mein Kind wird es sehr viel normaler sein und andere Eltern in seinem/unserem Umkreis werden auch in unserem Alter sein. Meine Mutter hat in dem Alter, in dem ich mein erstes Kind bekommen habe, schon ihr drittes Kind bekommen, und mein Vater war bei meiner Geburt schon Ende 40. Das war für damalige Verhältnisse recht alt. Ich kannte es aber nicht anders und fand es immer ok. Ich glaube, es ist nicht so wichtig, wie alt man wirklich ist, sondern wie man sich fühlt, und was man mit den Kindern noch machen kann und welche Werte man ihnen vermittelt.

Das möchte ich allen Ü40-Mamas gerne sagen:

40 ist doch das neue 30, oder? Es bringt nichts, sich mit zwanzigjährigen Müttern zu vergleichen. Ich möchte nicht mehr 20 sein, und vor allem möchte ich mit 40 nicht schon Oma werden – also alles gut😉.

 

 



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.