Ein Baby mit 40 – wie kam es dazu?

Ein Baby mit 40 – wie kam es dazu?

Als kleines Mädchen wusste ich, dass ich irgendwann Mama werden würde, aber in meinem Erwachsenenleben kam mir immer etwas dazwischen. Mit 39 gab es dann keinen Grund mehr, zu warten.

Ausgedehnte, weinlastige Abende in Tapasbars, am liebsten mit den besten Freunden, und hin und wieder eine Party. So sahen meine Abende an Wochenenden aus, bis ich 35 war. Zwischen den Wochenenden arbeitete ich meist bis zum Abwinken. Kinder waren nie ein Thema. Warum auch? Ich hatte Sozialwissenschaften und Touristik studiert, am Flughafen und in Fachhochschulen gejobbt und dann ein berufsbegleitendes Journalismus-Studium absolviert. Ich war zunächst vorsichtig, dann mit Karacho in die Arbeitswelt eingestiegen. Geld verdienen lautete die Devise, die lange Ausbildungszeit sollte sich schließlich gelohnt haben. Weder in der Studienzeit noch in der Berufsfindungsphase hatte ich Lust auf ein Kind. Ich arbeitete immer mehr und verdiente immer mehr, war täglich 10 Stunden im Büro und oft noch weitere 2 Stunden im Home-Office beschäftigt. Meine Studi-Bude tauschte ich gegen eine schöne Dachgeschosswohnung, kaufte mir ein Auto und eine neue Wohnungseinrichtung, obwohl ich selten zu Hause war. Und schwups war schon wieder ein Monat rum, aber keine Zeit, das Geld auszugeben.

Schlüsselmoment: Die Gehversuche einer 2-Jährigen

Kurz vor meinem 34. Geburtstag machte mich ein Besuch beim Frauenarzt sehr nachdenklich. Bei der rhetorischen Frage meiner Ärztin: „Wie geht es Ihnen?“ sprudelte aus mir heraus, wie gestresst ich war, wie wenig Privatleben ich hatte, und dass ich das Gefühl hatte, ich lebte nur für die Arbeit. Es war nur diese eine Frage der Ärztin, die mich völlig aus dem Konzept brachte: „Haben Sie denn schon mal über Kinder nachgedacht?“ Es ging mir gut, ich hatte Spaß am Leben. Aber irgendetwas fehlte. Und plötzlich wurde mir klar, was es war. Den Schlüsselmoment hatte ich in einem Strandcafé in Südfrankreich: Während ich gemütlich einen Cappuccino in der Sonne schlürfte, tapste ein 2-jähriges Mädchen an mir vorbei, das sich mit konzentrierter Miene und rudernden Armen an unfallfreien Schritten versuchte. Nach jedem dritten Schritt plumpste sie auf ihren weich-gepolsterten Po und schaute erwartungsvoll ins Publikum. Die freundlichen Blicke stimmten sie zuversichtlich, so dass sie bei jedem neuen Plumps laut kicherte. An dieses Mädchen habe ich noch oft gedacht. Wenn sie wüsste, dass sie meine Gedankenwelt erobert und meinen Kinderwunsch verstärkt hat!

Babygesichter rauschten an mir vorbei

Ja, Babys hatte ich in meinem Leben unendlich viele gesehen. In Tragetüchern oder in Kinderwagen, lachend, schreiend oder schlafend. Doch sie sind an mir vorbeigerauscht, ich habe sie nur flüchtig und ohne Wunschgefühle wahrgenommen. Mit Anfang 20 haben mich Kinder genervt. Kein Wunder, war ich doch selbst noch total unreif und entsprechend unfähig, eine gute Mutter zu sein. Auch mit Mitte 20 taten mir die Eltern Leid, die Partys verlassen mussten, bevor es richtig losging. Mit 30 hatte ich mich gerade beruflich etabliert. Ich genoss die Anerkennung und hatte nur eine Angst: schwanger zu werden. Ich warf hin und wieder mal einen genaueren Blick auf Kinder, fand sie süß, aber ich dachte: Du hast ja noch ein paar Jahre Zeit, um dich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich war unentschlossen, den Gedanken Taten folgen zu lassen. Ich würde doch so viele Freiheiten verlieren! War meine Partnerschaft stabil genug? Wie sagte Scarlett O’Hara doch gleich? „Verschieben wir es doch auf morgen!“

Mama sein: Ein neuer Lebensabschnitt

Mit 40 war ich dann soweit: Der richtige Mann war gefunden. Ich war Mama und dachte, ich könnte mein bisheriges Leben mit Kind fortsetzen. Doch weit gefehlt. Ich gab meine Unabhängigkeit auf, anfangs schweren Herzens, dann bereitwillig und freudig. Bedingungslose Liebe ist die Belohnung für den Verzicht auf ein spontanes Glas Wein um 22.30 Uhr im Biergarten. Plötzlich sah ich Kinder, ich liebe sie. Jedem Kind bin ich wohlgesonnen, auch, wenn ich es nicht kenne. Wenn ein Kind weint, bin ich zutiefst berührt und muss mich zusammenreißen, es ihm nicht gleich zu tun. Für quengelnde Kinder habe ich ein mütterliches Verständnis, auch wenn sie mich vielleicht nerven. Ich würde sagen, ich bin ein positiverer Mensch geworden.

Mit 40 kletterst du nicht mehr auf Bäume

Zum Glück lebe ich in einer Großstadt, wo Mütter um die 40 nicht schräg angeguckt werden. Hier bin ich im Freundeskreis eine unter ganz vielen. Nur ganz selten hört man sie, die giftigen Einwände in den Nebensätzen unbekannter Spielplatzmütter. „Mit 40 noch ein Kind? Da mag man aber nicht mehr auf Bäume klettern und bleibt lieber zuhause.“ Tatsächlich? Trifft leider nicht zu. Ich klettere nicht auf Bäume, richtig. Das habe ich zuletzt vielleicht mit 6 Jahren getan und seitdem nie mehr einen Gedanken daran verschwendet. Zuhause bleiben? Fehlanzeige. Wir sind viel unterwegs, treffen Familie, Freunde und Kollegen, mit und ohne Kinder, bei uns, bei anderen, draußen und drinnen. Also nochmal zum Mitschreiben: Was genau spricht nochmal dagegen, mit 40 sein erstes Kind zu bekommen? Manchmal habe ich das Gefühl, keiner weiß es, aber es ist (noch) ungewöhnlich, ergo für manche Menschen auch nicht richtig.

Das beste Alter für ein Baby: eine individuelle Entscheidung

In meinem Leben zählt, was für mich persönlich richtig ist, nämlich mit 40 ein Kind bekommen. zu haben. Es war für mich das richtige Alter und es ist das richtige Kind. Der beste Zeitpunkt, um das erste Kind zu bekommen, ist individuell. Respekt gebührt jeder Mutter, egal welchen Alters. Ich wünschte mir, alle Mütter würden das genauso sehen.



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