Kristina: Geht entspannt mit eurem Alter um!

Kristina: Geht entspannt mit eurem Alter um!

Kristina, Alter bei der Geburt der Tochter 42, Senior Administrator bei einer Fluggesellschaft. Kristina hat eine Tochter, die heute 23 Jahre alt ist.

Wie alt warst du, als du zum ersten Mal dachtest: „Ein Kind zu haben wäre schön.“

Ich habe als Kind gerne mit meiner Puppe gespielt, sie war (als mein Kind) mit Pausen, in meinen Tagesablauf integriert. Ich habe mich auch gerne, selbst als jüngstes Kind der Familie, um noch jüngeren Cousinen und Cousins gekümmert. Um die Frage kurz zu beantworten, es war immer mein Wunsch einmal Kinder zu haben. Die Anzahlt hat sich allerdings von 6 Kindern auf 1 Kind, reduziert.

Aus welchen Gründen hat sich bei dir die Mutterschaft mit Ende 30 /Anfang 40 ergeben? War es eine bewusste Entscheidung?

Es war keine bewusste Entscheidung, es war vielmehr das Bewusstsein, noch viel Zeit zu haben. Mein Beruf hat mich ausgefüllt. Ich habe so gerne gearbeitet, dass ich auch meine Freizeit gerne für den Beruf geopfert habe. Außerdem war ich neugierig, andere Länder zu bereisen, Kulturen und Familienstrukturen kennenzulernen. Bei meinen Reisen waren auch immer Erlebnisse mit Kindern besonders reizvoll für mich. Ich habe Waisenkinder von Indien zur Adoption nach Europa begleitet und an Adoptiveltern übergeben, ich habe in Indien Waisenhäuser besucht und war die „Legotante“ der Kinder meiner Freunde dort. So hat sich mein Wunsch nach eigenen Kindern weiter verschoben.

In dem Jahr, als ich dann 41 Jahre alt werden sollte, wurde mir klar, dass es möglicherweise biologisch nicht mehr lange möglich sein wird, überhaupt  schwanger zu werden. Ich habe die Pille abgesetzt und mich anschließend 3 Monate lang mit dem Gedanken befasst, dass nun alles anders wird: Keine Reisen mehr, keine spontanen Unternehmungen, reduzierte Arbeitszeit, kein voller Einsatz im Beruf, möglicherweise auch keine volle Anerkennung mehr im Beruf. Das alles wog sehr schwer auf meinem  Entschluss und ich habe aus Angst vor den Konsequenzen, die damit zusammenhängen, ein Kind zu haben, schweren Herzens und gleichzeitig halbherzig die Pille zur Verhütung wieder eingenommen. Allerdings war ich zu dem Zeitpunkt, wie sich herausstellte, bereits schwanger.

Wie hat dein Umfeld auf die Schwangerschaft / Mutterschaft mit Ende 30 /Anfang 40 reagiert?

Meine Ärztin sagte mir, dass man die Schwangerschaft in diesem Alter als Risikoschwangerschaft einstuft. Auf meine Frage „warum“ erklärte sie mir, „Weil die meisten Gynäkologen Männer sind“.  In meinem Umfeld habe ich keine Reaktion registriert  außer der meines Vaters, der sagte, dass in meinem Leben alles 10 Jahre später passiert als „normal.“

Fühlst du dich altersmäßig als Außenseiterin oder in bester Gesellschaft?

Die Antwort möchte ich zeitlich differenzieren:  Als ich, als 42-Jährige mit 20-Jährigen zusammen am Sandkasten saß, habe ich mich darüber gewundert, dass diese Mütter „angekommen“ zu sein schienen, bereits alles wussten, während ich alles in Frage stellte. Ich habe mich unter diesen Müttern als Außenseiterin gefühlt; nicht wegen meines Alters, sondern wegen der Gespräche (Blumenkohlgespräche nannte ich sie). Genau dort habe ich aber auch eine Frau kennengelernt, die heute noch eine liebe Freundin ist. Sie ist 1 Jahr jünger als ich.

Hast du das Gefühl, dass du die Erziehung deines Kindes und deinen  beruflichen Alltag  anders angehst, als beispielsweise eine 20- oder 30-jährige Frau? Wenn ja, warum?

Ich habe, bei aller Liebe zu meinem Kind, meinen beruflichen Einsatz, den ich nicht mehr bringen konnte, schmerzlich vermisst. Ich hatte das Gefühl, meinen Beruf und mein Kind  gleichzeitig zu vernachlässigen. Auch die Tatsache, dass ich im Alltag alleinerziehend war, nachts keine Ablösung beim Trösten und Herumtragen bei Krankheiten hatte, 6 Wochen nach der Geburt halbtags arbeitete anstatt Erziehungsurlaub zu nehmen, hat im Endeffekt meine Funktion nicht nur beeinträchtigt sondern zeitweise auf Null gebracht.

Nachdem ich mit familiärer und professioneller Hilfe meine Schwächen überwunden hatte, habe ich mein Kind bewusst dazu erzogen, sehr selbständig zu sein, alltägliche Dinge selbst zu erledigen und sie dabei mit Zuwendung zu stärken.  Sie ist es gewohnt und findet es normal, dass ihre Mutter berufstätig ist und mitten im Beruf steht. Möglicherweise ist das bei einer 20jährigen Mutter wesentlich anders, weil sie sich in dem Alter noch nicht im Beruf etabliert hat und ganz neue Wege und Positionen aufbauen muss, wenn es ihre Entscheidung ist, neben dem Beruf als Mutter noch „berufstätig“ zu sein.

Was spricht aus deiner Sicht für eine Mutterschaft mit Ende 30 / Anfang 40?

Nichts. Eine Mutter kann in jedem Alter richtig gut sein.

Was sind aus deiner Sicht die Nachteile einer Mutterschaft mit Ende 30 / Anfang 40?

Es ist schade, dass man einige vorgegebene Lebensjahre weniger mit dem Kind erleben wird. Es ist auch schade, dass man die Enkel möglicherweise nicht mehr lange begleitet und weniger fit ist.

Hattest du eine entspannte Schwangerschaft?  Hat dich das Wort Risikoschwangerschaft beunruhigt?

Die Schwangerschaft war problemlos und voller Seelenfrieden. Das Wort Risikoschwangerschaft habe ich zu keinem Zeitpunkt auf mich projiziert; mir ging es körperlich und seelisch sehr gut. Nach der Geburt hat meine Ärztin mir vorgeschlagen, ein Buch über den Verlauf der Schwangerschaft zu schreiben, um allen Frauen Mut für eine „Risikoschwangerschaft“ zu machen.

Machst du dir Gedanken über die Zukunft, was das  Altersverhältnis zwischen dir und deinem Kind / deinen Kindern betrifft?

Über den Altersunterschied, was Verständnis und das Miteinander betrifft,  mache ich mir keine Gedanken (nur über dessen Auswirkungen, wie oben beschrieben). Im Gegenteil habe ich festgestellt, dass sich Gedanken und Interessen immer mehr angleichen. Sollte ich ein Pflegefall werden, habe ich vorgesorgt, dass mein Kind mich nicht pflegen muss, wenn sie gerade mitten im Leben steht. Das möchte ich nicht.

Das möchte ich allen Ü40-Mamas gerne sagen:

Geht entspannt mit Eurem Alter und dem der Kinder um. Vergesst die numerische Ziffer der Jahre und lebt so, wie es gut tut. Denkt daran, dass es Kulturkreise gibt, wo das Geburtsjahr nicht einmal bekannt ist. Ansichten ändern sich laufend, wie die Mode. Es gibt keine richtige oder falsche Mode; genau so gibt es keine richtige und keine falsche Betrachtungsweise von Meinungen und Lebensentwicklungen. Rücksichtnahme und Distanz ist in jeder Beziehung wichtig.

„Schenkt Euch gegenseitig ein, aber trinkt nicht aus dem selben Glas“ (Khalil Gibran)

 

 



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