Lena: Die Bezeichnung ‚alte Eltern‘ ist nicht mehr zeitgemäß

Lena: Die Bezeichnung ‚alte Eltern‘ ist nicht mehr zeitgemäß

Lena, 41, kfm. Angestellte, ein Sohn, 4 Jahre und eine Tochter, 2 Monate.

Wie alt warst du, als du zum ersten Mal gedacht hast: „Ein Kind zu haben wäre schön.“

Ich war 31.

Aus welchen Gründen hat sich bei dir die Mutterschaft mit Ende 30 /Anfang 40 ergeben?

Zunächst stand ein Jobwechsel an, so dass das „Projekt Kind“ zunächst vertagt wurde, um nicht im gekündigten Arbeitsverhältnis oder während der Probezeit schwanger zu werden. Mit 32 habe ich die Pille abgesetzt, bin jedoch nicht schwanger geworden. Meine 1. Ehe ging in die Brüche, es folgte die Scheidung. Mit 34 wurde ich mit meinem neuen Partner schwanger – leider endete diese Schwangerschaft mit einer frühen Fehlgeburt. Eineinhalb Jahre später (inzwischen war ich 36 geworden) haben wir die Entscheidung getroffen, der Natur ein wenig nachhelfen zu lassen, da die biologische Uhr schon recht laut tickte. Dank medizinischer Hilfe wurde ich innerhalb der nächsten 6 Monate schwanger und habe mit 37 meinen Sohn geboren. Es war keine bewußte Entscheidung das Kind nicht schon früher zu bekommen. Aber Kinder gibt es eben nicht auf Bestellung. Die Natur redet ein gehöriges Wörtchen mit.

Wie hat dein Umfeld auf die Schwangerschaft / Mutterschaft mit Ende 30 /Anfang 40 reagiert?

Die Familie war komplett aus dem Häuschen, da viele schon nicht mehr damit gerechnet hatten, dass wir Kinder bekommen. Unser Alter war kein Thema, weder in der Familie noch im Kollegen- oder Freundeskreis.

Fühlst du dich altersmäßig als Außenseiterin oder in bester Gesellschaft?

Altersmäßig fühle ich mich als Außenseiterin. Aber man ist ja immer so alt wie man sich fühlt – und mit meinen gefühlten 29 bin ich mit Kind in bester Gesellschaft.

Hast du das Gefühl, dass du die Erziehung deines Kindes und deinen beruflichen Alltag  anders angehst, als beispielsweise eine 20- oder 30-jährige Frau? Wenn ja, warum?

Nein.

Was spricht aus deiner Sicht für eine Mutterschaft mit Ende 30 / Anfang 40?

Ich habe nicht das Gefühl, etwas zu verpassen wenn ich meine Zeit jetzt mit den Kindern z.B. Abends zu Hause verbringe und nicht unterwegs bin. Ich habe mich vor der Geburt der Kinder „ausgetobt“ und viel unternommen – jetzt liegt der Fokus anders. Viele jüngere Mütter die ich kenne, fühlen sich manchmal angekettet oder eingesperrt bzw. in ihrer Freiheit eingeschränkt.

Was sind aus deiner Sicht die Nachteile einer Mutterschaft mit Ende 30 / Anfang 40?

Wenn man es plant, spät Mutter werden zu wollen, sollte man bedenken, dass man nicht unbedingt im 1., 2. oder 3. Zyklus dann auch tatsächlich schwanger wird. Wenn es dann nicht klappt und die biologische Uhr tickt, baut dies immensen Druck auf. Das kann zu einer harten Belastungsprobe auch für die Partnerschaft werden.

Hattest du eine entspannte Schwangerschaft? Hat dich der Begriff „Risikoschwangerschaft“ beunruhigt?

Ja, ich hatte wirklich entspannte und tolle Schwangerschaften mit nur kleinen Zipperlein. „Risikoschwanger“ zu sein hat auch Vorteile, wenn man den Begriff „Risiko“ mal ausblendet – medizinisch hatte ich den Luxus, öfter mal Baby schauen zu dürfen und Fotos (Ultraschallbilder) zu bekommen, als es bei den Regeluntersuchungen stattgefunden hätte.

Machst du dir Gedanken über die Zukunft, was das Altersverhältnis zwischen dir und deinem Kind / deinen Kindern betrifft?

Da wir in unserer Gesellschaft inzwischen eine recht hohe Lebenserwartung haben, ist das Argument „alte Eltern“ inzwischen auch anzupassen und kein zwingender Nachteil mehr. Heutzutage sind viele 60-Jährige so fit und agil wie manche 40-Jährige. Und Kinder halten jung. Ich unterstütze jedoch nicht, wenn über 70jährige Herren noch Kinder zeugen, da dann die Wahrscheinlichkeit doch sehr hoch ist, dass diese Kinder noch vor Schulabschluß zu Halbwaisen werden – das ist den Kindern gegenüber unfair.  Wo genau die Altersgrenze liegt, muss aber letztendlich jeder für sich und sein Leben entscheiden. Es ist ja leider auch keine Garantie, die Kinder aufwachsen zu sehen, wenn man früh Eltern wird.

Das möchte ich allen Ü40 Mamas gerne sagen:

Mit über 40 noch Mama werden zu dürfen ist ein wunderbares Geschenk. Laßt Euch nicht verunsichern von Blicken und Sprüchen der Gesellschaft – bei Männern wird späte Vaterschaft ja schließlich auch toleriert (wenn nicht sogar schulterklopfend gelobt).



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