Unfreiwillige Abendrituale – Protokoll des Zubettbringens

Unfreiwillige Abendrituale –  Protokoll des Zubettbringens

Entspannte Abendbeschäftigung: Fernsehen, lesen, unterhalten? Nicht bei mir. Ich bringe meinen Sohn ins Bett. Und das kann dauern.

19.00 h, nach dem Abendessen.

Kind: „Mama, ich möchte Trotro gucken!“

Mama: „Ok, Aber nur eine Folge. Setz dich schon mal hin.“

Kind freut sich und strahlt, sitzt 2 Minuten ruhig (die Folge dauert 2 Minuten)

Kind: „Mama, ich möchte noch eine Folge gucken!“

Mama: „Nein, ich habe gesagt eine. Vielleicht morgen, wenn wir mit dem Essen früher dran sind.“

Kind: „Nein jeeeehetzt!“

Mama: „Ich habe gesagt: nein!“

Kind: „Bäääääähhhh!“ (Krokodilstränen)

Mama: „Na gut, noch eine Folge. Aber nur wenn du schön lieb bist, gleich Zähne putzt und schnell schläfst.“

Kind: „Na klar!“

Kind ist 2 Minuten ruhig. Die Folge ist zu Ende, Kind steht auf und holt sich ein Buch.

Mama: „Nein, jetzt wird nicht mehr gespielt! Ich lese dir doch nachher eine Geschichte vor. Jetzt erst mal Zähneputzen.“

 

19.15 h, Zähneputzen.

Kind geht mit gesenktem Kopf ins Bad.

Kind: „Mama, ich möchte eine andere Zahnpasta, die, die nach Erdbeeren schmeckt!“

Mama: „Nein, wir verbrauchen erst die offene Tube.“

Kind: „Bäääääähhhh!“ (Krokodilstränen)

Mutter versucht, Kind abzulenken.

Mama: „Wir singen ein Zahnputz-Lied, dann macht es noch mehr Spaß.“

Kind guckt skeptisch.

Kind: „ICH möchte die Zahnpasta draufmachen.“

Mama: „Aber nur, wenn du vorsichtig bist. Am besten nur eine Erbse rausdrücken.“

Kind: „Ich will keine Erbse!!!“

Mama: „Jetzt versuch’s doch mal.“

Kind drückt 2 cm Zahnpasta aus Tube.

Mama: „Das ist viel zu viel!“

Kind: „Ich will aber viel!!!!“

Mama: „Du nimmst doch im Kindergarten auch nicht so viel Zahnpasta, oder?“

Kind versucht, sich die Zähne zu putzen, lässt aber alle schwer zu erreichenden Stellen aus. Mama putzt gründlich nach, Kind öffnet widerwillig den Mund.

Mama: „So, jetzt noch Pippi machen und dann ab ins Bett.“

 

19.40 h, umziehen.

Kind macht Pippi, Mama legt einen Schlafanzug raus.

Kind: „Ich möchte nicht diesen Schlafanzug. Ich möchte einen anderen.“

Mama: „Welchen anderen?“

Kind: „Einen anderen aus der Schublade.“

Mama öffnet genervt die Schublade.

Mama: „Diesen hier vielleicht?“

Kind: „Nein.“

Mama: „Diesen hier?“

Kind: „Nein.“

Mama: „Jetzt nimm einen von beiden, die anderen sind in der Wäsche.“

Kind: „Ich möchte den mit dem Elefanten.“

Mama: „Der ist in der Wäsche.“

Kind: „Ich will abeeeeer!!!!“

Mama: „Ich setze mich schon mal mit dem Vorlesebuch ans Bett. Ziehst du dann jetzt einen Schlafanzug an?“

Kind nickt. Mutter fragt nach gefühlten 10 Minuten:

Mama: „Wo bleibst du denn? Welchen Schlafanzug hast du angezogen?“

Kind kommt mit ist falsch herum angezogenen Schlafanzug.

Mama: „Zum letzten Mal. Such dir bitte einen Schlafanzug aus. Das Unterhemd ist zu kalt und die Jogginghose zu warm für die Nacht.“

Mutter wartet kurz, überlegt sich dann, dass es vielleicht doch besser wäre, dem Kind zu helfen.

Mama: „Warte, ich helfe dir.“

Juhuu, das Kind ist bettfertig!

 

20.10 h, im Bett.

Kind lässt sich bereitwillig eine gute Nachtgeschichte vorlesen.

Mama: „So, wir machen jetzt das Licht aus. Gute Nacht mein Schatz!“

Kind: „Ich will noch nicht das Licht ausmachen. Ich bin überhaupt nicht müde.“

Mama: „Vielleicht denkst du das. Aber du musst morgen früh raus, und dann bist du ganz müde, wenn du jetzt nicht schläfst.“

Mutter merkt, dass Erwachsenenlogik bei Dreijährigen nicht ankommt und versucht es mit einer anderen Strategie.

Mama: „Ich bin sehr müde. Ich gehe jetzt auch ins Bett. Und weißt du was? Da ist es ganz kuschelig!“

Kind macht einen Purzelbaum.

Mama: „Bitte leg dich jetzt hin und hör auf zu turnen!“

Mutter geht raus.

Kind: „Maaaaama!“

Mutter geht wieder zurück.

Mama: „Was ist denn?“

Kind: „Wie brüllt ein Löwe, Mama?“

Mama: „Das besprechen wir morgen. Schlaf jetzt.“

In den nächsten 10 Minuten ist es verdächtig ruhig. Mutter schleicht sich an und lauscht. Kind zählt bis 20 und singt dann zwei Lieder. Mutter schleicht ins Wohnzimmer.

Kind: „Maaaaama!“

Mama: „Was ist denn?“

Kind: „Ich habe Durst!“

Mama holt eine Trinkflasche.

Mama: „Hier bitte. Schläfst du jetzt?“

Kind scheint müde zu werden. Mama geht ins Wohnzimmer.

Kind: „Maaaaama!“

Mama: „Was ist denn schon wieder?“

Kind: „Du musst mir noch mal die Nase putzen.“

Mama holt ein Taschentuch und putzt die Nase.

Mama: „So, jetzt wird endlich geschlafen. Gute Nacht!“

Kind: „Maaaaama!“

Mama: „Jetzt ist es aber mal gut!“

Kind: „Mama, ich muss Pipi.“

Mama: „Das kann nicht sein, du warst doch gerade auf der Toilette.“

Kind: „Ich muss aber Pipi.“

Mama: „Ich glaube eher, dass du nicht schlafen willst!“

Kind: „Ich muss ganz dringend Pipi.“

Mama: „Na dann geh. Aber schnell!“

Kind pinkelt ein kleines Tröpfchen und geht dann wieder ins Bett.

Mama: „So, du hast jetzt alles, was du brauchst. Alle anderen Kinder schlafen schon lange!“

Kind bleibt unbeeindruckt. Mutter geht ins Wohnzimmer.

 

20.45 h.

Kind: „Maaaaama!“

(to be continued….)

 

 



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